Albanienfahrt – Sommer 2011
Die Reise
In den letzten Sommerferien waren wir für vier Wochen in Albanien. Warum Albanien? Albanien ist Vielfalt! Faszinierende, unberührte Berglandschaften im Norden des Landes, nicht-touristische Adriastrände und zahlreiche Seen, an deren Ufern sich malerische, kleine Ortschaften befinden. Entgegen aller noch herrschenden Vorurteile ist Albanien ein relativ sicheres Reiseland. Jeder Gast genießt – nach alter albanischer Gewohnheit – besonderes Interesse und bevorzugte Behandlung.
Es ist sehr schwierig die Eindrücke von vier Wochen zusammenzufassen, weshalb dieser Artikel nur einen kleinen Einblick in zwei Tage unserer Reise gibt.
Nach Albanien
Natürlich kann man nach Albanien fliegen, man kann auch über Italien mit Fähre und Bus fahren, aber das wäre ja langweilig gewesen. Also sind wir getrampt.
Zum Tramp gibt es nicht viel zu sagen. Wir haben uns in Hollnich an die Straße gestellt und sechs Tage später waren wir im ca. 2500km entfernten Albanien:-). Es ging durch Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, nocheinmal Kroatien, Serbien/Montenegro und schließlich Albanien.
Tag 8: Von Shkoder nach Vermosh
Von Shkoder aus möchten wir zum kleinen Bergdorf Vermosh, das inmitten der albanischen Alpen, etwa 100km nördlich von Shkoder liegt. Dorthin fahren keine Linienbusse, keine Minibusse und keine Taxis. Die Straßen sind einfach zu schlecht. Die einzige Reisemöglichkeit besteht darin, mit Einheimischen mitzufahren. Wir begeben uns also auf die Ausfahrtsstraße Richtung Norden, wo wir einen jungen Albaner ansprechen, ihm unsere Situation schildern und fragen, ob er Leute aus Vermosh kennt. In Albanien ist es allerdings so: Alle geht Alles an! Das heißt, dass sich binnen einer Minute eine Traube von mindestens zehn Albanern um uns versammelt hat: Jeder kennt den besten Weg nach Vermosh, jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der nach Vermosh fährt und jeder hat kein Verständnis dafür, warum wir in diese abgelegene Gegend fahren möchten.

Nach einiger Zeit der Diskussion erklären sich eine Frau und ein Mann bereit, uns auf ihrem Pickup mitzunehmen.
Gegen Mittag geht es los. Die Ladefläche des Pickups ist mit Einkäufen aller Art vollgeladen, denn die Bewohner Vermoshs sind Selbstversorger und decken sich in Shkoder mit allem Notwendigen ein.
Während der Fahrt verstehen wir auch, warum hier keine Busse und keine Taxis fahren. Der schlechteste Feldweg in Deutschland ist besser als diese Straße!
Unterwegs steigen noch sechs weitere Leute zu, sodass wir zu zwölft im und auf dem Auto sitzen. Wir kommen erst nachts an, da wir für die 100km 6 Stunden brauchen.
Wir steigen gegen 23:00 Uhr vom Pickup. Uns tut der A**** von der holprigen Fahrt weh, wir sind müde und haben den ganzen Tag noch nichts gegessen. Wir klopfen direkt am ersten Haus. Ein älterer Mann öffnet uns und ehe wir ein Wort gesagt haben, werden wir herein gebeten. Der Mann spricht kein Englisch und kein Deutsch und wir sprechen kein Albanisch. Er muss uns unseren Appetit also angesehen haben, denn kurz nachdem wir in seinem Wohnzimmer Platz genommen haben, bringt er uns etwas zum Essen. Es gibt Buke (Brot), Diath (salziger Käse), Trofte (in Öl gebackene Forelle), Kos (Joghurt) und Raki (Schnaps für alle Gelegenheiten).
Nach dem Essen greift der Mann zur Lahudra (zweiseitiges Saiteninstrument) und stimmt zusammen mit seiner Frau ein albanisches Volkslied an.

Danach führt er uns auf eine Wiese in der Nähe seines Hauses. Hier dürfen wir unser Zelt aufbauen.
Diese Gastfreundschaft ist unglaublich. Die Menschen haben nichts und geben doch alles.
Am nächsten Tag verschaffen wir uns einen Überblick über das Gebirge, planen unsere Wanderroute und erkunden Vermosh. Vermosh ist ein sehr weitläufiger Ort mit weit auseinander liegenden Häusern und kleinen Gehöften, in denen Ziegen, Kühe, Schafe und Hühner gehalten werden. Die Schweine laufen auf den Wegen, den Höfen und den umliegenden Wiesen herum. Nachts kommen die Tiere jedoch auf dicht verbretterte Weiden in Hausnähe. Der Wölfe wegen.
Tag 17: Auf den „Maja e Bojes“
Gegen Mittag brechen wir zum Gipfel des ca. 2000m hohen „Maja e Bojes“ auf.
Da jeder von uns ca. 20kg Gepäck im Rucksack trägt, rechnen wir für Auf- und Abstieg zwei Tage ein.
Die ersten Höhenmeter sind schnell überwunden, doch bereits auf 500m verdunkelt sich der Himmel in unserem Rücken. Das Wetter in den Bergen ist unberechenbar und so lässt sich nur schwer sagen ob die dunklen Wolken zu uns zieht oder vorher abdreht. Wir entscheiden uns für den Aufstieg.
Die Steigung ist vorerst sanft, danach jedoch schärfer in einem offenen Wald, der teilweise wild abgeholzt worden ist. Später, nachdem es nur noch vereinzelte Bäume gibt, finden wir am oberen Rand einer Lichtung eine Quelle mit vielen Glockenblumen, Nelken und Erdbeersträuchern, die uns zum Rasten einladen. Wir stellen fest, dass sich das Gewitter weiter auf uns zu bewegt. Bedrohlich schiebt sich die schwarze Gewitterfront durch das Tal genau auf uns zu.Zum Umkehren ist es jedoch schon zu spät und so beschließen wir weiter zu laufen.
Mit zunehmender Dunkelheit wird es immer schwieriger sich im unwegsamen Gelände (im wahrsten Sinne des Wortes) zu Recht zu finden. Schlagartig zieht sich der Himmel zu, es wird stockdunkel und das Unwetter mit Blitz, Donner, Regen und Sturm bricht über uns los. Etwa zweihundert Meter hangaufwärts entdecken wir eine im Hang stehende Kiefer. Sie ist der einzig feste Punkt in diesem Gelände, das aufgrund des Regens zum abrutschen neigt. Mit Mühe und Not erreichen wir den Baum. Notdürftig befestigen wir zwei Planen im Hang, die uns vor Regen schützen sollen doch der dieser kommt von allen Seiten.
Da sitzen wir also… 2500km weit weg von Daheim auf ca. 1500m in den albanischen Bergen, frieren und sind triefend nass. In dieser Nacht haben wir uns alle gefragt: Wieso verdammt machen wir das?
„Was uns lässt fahren kann nicht jeder fühlen,
kann nur verstehn, wer mit uns einmal zog,
Wer seine Stirn mag an Quellwasser kühlen,
könnte geraten in unseren Sog.“
…so heißt es in einem unserer Lieder. -
Am nächsten Morgen kommt mit der Sonne auch das Ende des Regens. Mühsam schleppen wir uns bis zum Gipfel empor, den wir gegen Mittag erreichen. Zunächst hat niemand ein Auge für das 360° Panorama, denn die letzte Nacht steckt noch zu tief in den Knochen. Einige Meter hangabwärts finden wir eine geeignete Stelle für unser Zelt, das wir zügig aufbauen.
Wir machen ein Feuer, trocknen unsere nassen Sachen an den Flammen und kochen etwas zum Essen. An diesem Abend gehen wir früh schlafen…
Impressionen

Ausblick ins ca. 5km entfernte Montenegro

Acht Wildpferde ziehen direkt an unserem Zelt vorbei
Zuerst bettelten die Kinder nach Schokolade, dann wollten sie doch lieber Gitarre spielen
Auf dem Dach eines verlassenen Hauses am Shkodrasee




